Histaminintoleranz

Im Jahr 2016 erhielt ich die „Diagnose“ Histamin- und Laktoseintoleranz. Bis dahin mir völlig unbekannt, konnte ich dadurch seither unglaublich viel über die Wirkung von Lebensmitteln lernen. Die Histaminintoleranz brachte mich auch zu einer Schlüsselerkenntnis auf dem Weg zum Wohlbefinden – mehr dazu erfährst du weiter unten in diesem Text.

Wie es anfing

Ich achte schon seit vielen Jahren auf eine gesunde Ernährung (mal mehr und mal weniger, ohne Zwang), war aber ziemlich überrascht, dass Magen-Darmbeschwerden immer häufiger auftraten. Von 2015 bis 2016 hatte ich dann über ein ganzes Jahr hinweg Magenkrämpfe, Schmerzen, Reflux und Sodbrennen. Hausmittel und Medikamente halfen nicht mehr. Erst die Diagnose „Gastritis“, in Verbindung mit Histamin- und Laktoseintoleranz, brachte dann 2016 endlich Licht ins Dunkel. Bekannt ist, dass sich eine Histaminintoleranz bei jedem anders äußern kann (Hautausschlag, Schnupfen, Kopfschmerzen, etc. ).

Bis dahin hatte ich Lebensmittel immer in gesund und ungesund, wärmend und kühlend klassifiziert. Und dann der Hammer: „Histaminarme Ernährung“ wirft alle dieser Weisheiten über den Haufen. Plötzlich hat man eine lange Liste vor sich, nach der Lebensmittel in histaminreich und histaminarm eingeteilt werden. Diese Einteilung deckt sich nicht mit den üblichen Empfehlungen und es gibt keinen „Anker“, um zu verstehen. Plötzlich sind viele Lebensmittel „schlecht“, die ich bis dahin als gesund erachtet hatte: Avokado, Walnüsse, Tomaten, Melanzani, Oliven, Kichererbsen, Gerste, Hefe (jedes Gebäck), Lachs, Wein, Bier und natürlich ganz oben: Schokolade. Bumm, da setzte es mich mal ordentlich auf den Hintern (OK, Schokolade und Bier wusste ich auch vorher schon 😉)

Besserung tritt ein

Na gut. Was habe ich als Kind der 80er von Rambo und Knight Rider gelernt? „Nur die harten kommen durch“. Also Liste auswendig lernen und los geht’s. Tatsächlich waren nach zwei oder drei Wochen meine Magenbeschwerden weg. Da freut sich der Bauch und auch der Kopf kriegt schön langsam wieder gute Laune. Die erste Hürde ist geschafft!

Dann folgen die zweite und dritte Hürde: Dauerhaft durchhalten und nein-sagen lernen. Ich bin ein Stimulanz-Typ, der gerne neue Dinge ausprobiert, bis dahin auch beim Essen. Auf Speisekarten in Asien habe ich einfach bestellt, ohne zu wissen, was drinnen ist. Meistens führte das zu großen Genussmomenten. Diese Zeit ist damit vorbei. Vom Genießer zum Erbsenzähler 😊 Mit Freunden auf Pizza und Bier zum Italiener? „Danke, wenn ihr mich für zwei Wochen loswerden wollt, gerne.“ Geht nicht mehr. Das Glas Rotwein am Abend? „Hallo Magenschmerzen!“ Geht nicht mehr.

Wie es heute geht

Heute, nach vier Jahren, bin ich um noch ganz andere Erkenntnisse reicher und mittlerweile auch sehr dankbar dafür. Die wichtigste– und das deckt sich auch mit der heutigen medizinischen Sicht: Histaminintoleranz ist keine Dauerdiagnose, die für immer gilt, sondern eher eine Momentaufnahme. Die Ernährung ist nur einer von vielen Faktoren.

Ich habe gelernt, meinen Geist und Körper viel genauer zu beobachten und zu erkennen, wie es mir insgesamt gerade geht (Achtsamkeit üben). Fühle ich mich wohl? OK, dann ist auch Schokolade, Bier und Schweinebraten drinnen (nicht unbedingt alles auf einmal). Bin ich eher aufgewühlt und gestresst? Dann ist es besser, auf leichte und histaminarme Kost zu setzen. Das liest sich nun leicht, erfordert in der Praxis aber eine Menge Disziplin. Denn wonach greifen wir im Stress gerne? Fett, schwer, salzig und süß. Es ist also notwendig, dem Verlangen entgegenzuarbeiten und den Geist zu überlisten. Sehr gute Dienste leisten mir hier Datteln, Mandelmus und zum Glück geht ja auch ein saftiges Steak oder mein neuester Hit: Sonnenblumenhack als Fleischersatz.

Enorme Hilfe auf dem Weg zu dieser Achtsamkeit bringen mir auch Meditations- und Yogaübungen. Diese sorgen dafür, dass ich den Zugang zum „im Moment sein“ finde und damit auch leichter entscheiden kann, was gerade gut oder weniger gut für mich und meinen Körper ist. Ich esse geplanter, bewusster und diese Planung sorgt gleichzeitig auch für weniger Verschwendung von Lebensmitteln.

 

Ganzheitlich betrachtet ist die Diagnose Histaminintoleranz für mich heute nicht mehr als ein Schlagwort, das mir den Weg zu einem besseren Körpergefühl geöffnet hat. Insgesamt bin ich sogar Stolz darauf, dass es mir möglich ist, ein wenig geistige Spiritualität in unserer verkopften Welt zu leben. Vermisse ich etwas? Zwei Mal im Jahr eine Pizza und Rotwein, denn die beiden funktionieren bei mir nicht mal in kleinen Mengen 😊

 

Euer Matthias